Christian Hofer: Das Auge des Sports


Der Wiener Fotograf Christian Hofer (www.fotobyhofer.at), der seit einigen Jahren auch die Bildagentur Zolles KG (www.zolles.com) leitet, gilt als Universalkönner. Besonders bekannt geworden ist er aber durch seine außergewöhnlichen Sportfotos, mit denen seine Agentur seit vielen Jahren namhafte Medien wie zum Beispiel SportWoche, Sportmagazin, Rapid-Magazin, ÖFB-Corner und viele Tageszeitungen in ganz Österreich, die Fußballvereine Austria, Rapid, Sportclub und Vienna beliefert sowie im Auftrag für Kunden wie adidas, Wiener Stadthalle, Wien Energie, usw. Aufträge übernimmt.

„Man muss Verständnis für den Ablauf der Sportarten aufbringen. Da ich viele Sportarten selbst ausgeübt habe, kann ich beim Fotografieren besser antizipieren. Es hilft sehr, wenn man aus eigener Erfahrung weiß, wie sich eine Spielsituation entwickeln und wohin der Ball gehen könnte. Das erleichtert die alles entscheidende Frage: „Wann drücke ich ab?“, verrät Hofer.

Das Equipment, so der Simmeringer, „ist gerade für einen Berufseinsteiger sehr teuer. Du benötigst eine schnelle und robuste Kamera mit lichtstarken Teleobjektiven. Hier gilt leider: Je teurer, desto besser.“ Hofer, der sich sein universelles Können auf der „Graphischen“ angeeignet hat, kommt noch aus der analogen Ära. „Ich kann zwar mit meiner Kamera theoretisch bis zu 14 Bilder pro Sekunde schießen, aber wichtiger ist es den richtigen Moment zu erwischen.“

Wer denkt, ein Sportfotograf geht mal kurz zu einem Fußballspiel, drückt ein paar Mal ab und der Job ist erledigt, täuscht sich gewaltig. Die Vorbereitung macht den großen Unterschied. Christian Hofer ist spätestens 60 Minuten vor Spielbeginn im Stadion, checkt Lichtverhältnisse, holt sich die Matchinfos und Spielernamen für die Beschriftung der später auszusendenden Bilder, fotografiert bereits das Aufwärmen der Mannschaften, Trainer, Fans und sucht sich den idealen Platz und Hintergrund, den er mehrmals während des Events wechselt. „Ich schieße rund 500 bis 1000 Fotos bei einem Spiel. Der Zeitdruck ist groß, denn ich muss unmittelbar nach Abpfiff 10-15 Fotos aussuchen, die sofort an die Zeitungen geschickt werden. Erst dann wähle ich im Presseraum der Stadien weitere Fotos aus. Diese werden später im Büro bearbeitet, beschriftet und archiviert. „Ich bin für ein Fußballspiel bis zu 4 Stunden im Stadion“, erzählt Hofer.

„Ich bin generell ein Sportfan, Fußball interessiert mich allerdings besonders“, so Christian, „aber vom Spiel selbst bekomme ich relativ wenig mit. Dafür sehe ich Details, die man von den Zuschauerrängen aus nicht bemerkt.“ Natürlich kommt es auch bei einem Fotografen seines Kalibers vor, dass „ich eine wichtige Szene verpasse. Das passiert fast in jedem Spiel.“ Brenzlig wird es dann, wenn er auf Grund der Brennweiten die Objektive wechseln muss, eine zweite Kamera liegt für alle Fälle immer griffbereit neben ihm.

„Fußball“, sagt Hofer, „zählt eigentlich noch zu den leichteren Übungen in der Sportfotografie. Schwierig zu fotografieren ist Eishockey, das extrem schnell ist und wo sich die Situationen permanent ändern. Volleyball fordert dich besonders, weil da viel mit Täuschungen und Finten gespielt wird. Ich denke, dass es für jeden Fotografen Sportarten gibt, die ihm nicht so liegen.“

Die Ausbildung an der Graphischen zum Studio- und Werbefotografen („ich habe die umfassende Ausbildung sehr genossen“) ermöglichte Hofer den Einstieg bei einem Studio, das Multivisionen für die Industrie produzierte, ehe er sich in Wien selbstständig machte. „Durch die Arbeit für Magazine konnte ich mein Spektrum um Reportage und Features erweitern. Ich war nie nur auf Actionbilder fokussiert, sondern habe immer darauf Wert gelegt, dass ich in meinem Studio auch Porträts und andere Bilder anbiete“, war Hofer zu keiner Zeit eindimensional unterwegs. „Wenn man das Talent, den Ehrgeiz und die Neigung hat, sollte man sich nicht einschränken. Auf der Graphischen bist du in alle Richtungen hingeführt worden. Und irgendwann findet sowieso jeder seine Lieblingsdisziplin heraus.“

Auch nach vielen Jahren und Highlights in der Sportfotografie hat sich Christian Hofer ein Ritual nicht abgewöhnt: „Mein erster Weg in der Früh ist zur Trafik, um sofort zu checken, wie meine Fotos in den Zeitungen ausschauen. Ohne das geht´s nicht, das zeigt auch die Leidenschaft für diesen schönen Beruf.“

Besondere Erlebnisse mit den großen Stars des Sports? „Da gab es sicher viele, aber manches kann man nicht erzählen. Vertrauen ist in diesem Beruf wichtig. Was ich sagen kann, Einzelsportler sind meistens leichter zu fotografieren, als Mannschaftssportler. Die müssen sich um alles selbst kümmern und nehmen sich auch die nötige Zeit für ein Shooting. Die Leichtathletin Steffi Graf hat zum Beispiel oft ihre eigenen Ideen eingebracht“, so Hofer.

Thomas Muster, Hans Krankl, Toto Wolff, David Alaba, Andreas Herzog, Andy Murray, Gregor Schlierenzauer, Franz Klammer, Marko Arnautovic, Ivona Dadic, Marcel Koller, Vladimir Klitschko, John Cleese, Andreas Vitasek, Gottfried Helnwein, Michael Niavarani, Reinhold Messner, Robert Menasse, Adele Neuhauser, Christiane Hörbiger, Ben Becker, Peter Turrini, Otto Schenk – die Liste der Promis, die Christian vor der Linse hatte, könnte fast unendlich fortgesetzt werden. „Das Fantum, das um Stars gemacht wird, habe ich nie verstanden. Ich behandle alle gleich – egal, ob ich Amateurfußball oder David Alaba fotografiere. Natürlich bist du bei echten Weltstars etwas angespannt, aber ich weiß, was ich kann und habe immer einen klaren Plan. Sonst merkt das der Kunde und das Ergebnis wird nicht optimal.“

2008 wurde Christian Hofer mit dem Sports Media Austria Preis für Journalisten ausgezeichnet. Seit 2011 engagiert er sich, neben seinem stressigen Beruf, auch noch als Fotografenvertreter im Vorstand der Vereinigung der österreichischen Sportjournalisten.