Die zwei Welten des Clemens Ascher


Ein Tiroler vom Land macht in der Weltstadt Karriere. Leidenschaft für die Fotografie, Kreativität und der Blick über den Tellerrand sind die Ingredienzen seines Erfolgs.

Dass Clemens Ascher die Fotografenlaufbahn einschlagen wird, war für den gebürtigen Tiroler „ganz selbstverständlich. Ich bin mit meiner Mutter und meinem leider schon verstorbenen Vater in einer Fotografenfamilie aufgewachsen. Da hat es sich einfach nur natürlich angefühlt, diesen Weg einzuschlagen. Ich war schon sehr früh von Bildern in Magazinen wie der Vogue fasziniert und mein Wunsch hat sich immer mehr gefestigt“, erzählt Ascher, den es nach der Matura nach Hamburg zog, wo er das Studium „Advertising Art Direction and Photography“ absolvierte.

Unmittelbar nach der Erlangung seines Diploms arbeitete Ascher als Assistent, suchte sich einen Agenten in Wien und machte sich selbstständig. Später übersiedelte Clemens nach London: „In London sitzen eben die ganz großen Stylisten und Designer. Viele bekannte Magazine und die Headquarters bedeutender Unternehmen sind in dieser pulsierenden Stadt angesiedelt“, so Ascher, der zur Zeit zwischen Wien und London pendelt: „Wien ist für mich daheim und wenn ich dort bin, fühle ich mich fast wie im Urlaub. In London ist das Leben extrem rasant, sehr inspirierend, aber auch anstrengend. Das sind zwei spannende Welten, in denen ich mich bewege.“

Mittlerweile fotografiert Ascher unter anderem für US-Automobilhersteller wie Lincoln, die französische Hotelkette Accor, das deutsche Bundesministerium für Arbeit und Soziales oder den Energieriesen EnBW, Editorials zum Beispiel für The Guardian, Garage Magazine oder Men’s Health. Aber auch in Österreich setzt er regelmäßig große Kampagnen um, etwa für Telering oder Bipa.

„Ich mache sehr gerne kommerzielle Projekte, das ist immer eine spannende Herausforderung und gibt mir außerdem die Freiheit für meine künstlerischen Arbeiten.“ Seinen Stil bezeichnet er als grafisch und stilisiert aber trotzdem menschlich und emotional. „Meine Arbeiten sind stets konzeptionell aber durchaus mit ästhetischem Anspruch. Es geht um konstruierte Welten, um gesellschaftliche Phänomene wie Kontrolle, und Konsum. Auch Architektur ist ein ganz wichtiger Bestandteil meiner Bilder“, erklärt Clemens.

In seiner Serie „On Pleasure Grounds“ zeigt er zum Beispiel eine Mutter mit ihrem Kind, ein Cola in der Hand, schaut sie sich völlig ungerührt eine ausgestellte Cruise Missile an. „Das hat natürlich ebenso einen politischen Aspekt. Ich will durchaus kritisch sein – aber stets in einer humorvollen Art und Weise. Oft kann man sehr ernste Dinge mit einem Augenzwinkern leichter zur Diskussion stellen.“

Inspiriert wird Clemens Ascher von verschiedensten Künstlern und Epochen. Die Fotografen Christopher Williams oder Joel Sternfield oder Kunst Strömungen wie De Stijl und generell der Modernismus.

„Ich will gesellschaftspolitisch relevante Themen überspitzt darstellen und Geschichten erzählen, in denen es um etwas geht.“

Neben seinen sensationellen Farbbildern, fotografiert Ascher auch analog und oft in Schwarz-Weiß. „Diese Arbeiten sind fast noch persönlicher. Es fotografiert zwar das gleiche Auge, aber mit einem melancholischen Touch. Ich lebe in zwei Welten. Ich komme vom Land, bin aber zum Stadtmenschen geworden. Da bin ich ein bisschen hin- und hergerissen. Mich zieht ein verfallener Bauernhof magisch an, aber auch ein brutalistisches Betongebäude im Stil der 70er-Jahre. Auf der einen Seite gibt es noch melancholische Spuren der alten, verlassenen Zeit, auf der anderen die moderne, durch Kommerz gesteuerte Welt“, philosophiert der Österreicher.

Hat einer, der es geschafft hat, auch außerhalb seines Heimatlandes eine beachtliche Karriere hinzulegen, Tipps für seine Kollegen? „Jeder muss für sich selbst herausfinden, was ihn interessiert und wo sein Talent liegt. Das ist der einzige Weg. Und freie Arbeiten sind für die Entwicklung jedes Fotografen enorm wichtig. Viele glauben, der Kommerz ist der Gipfel der Kultur, aber wenn du deine eigene Kreativität ausleben willst, musst du auch andere Wege beschreiten. Du musst Leute für deine Arbeit begeistern“, ist Ascher überzeugt.

Ein Abbild seiner zwei Welten ist auch ein ganz besonderes Projekt, das Clemens Ascher derzeit beschäftigt: Er plant ein Buch für 2019, welches seine bisherigen und neue Arbeiten in einen größeren Kontext setzten wird.

Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse

Social Media