Das Auge des guten Geschmacks

Die Kärntner Food-Fotografin, -Stylistin und -Designerin Florentina Klampferer verzaubert mit Fotos,
Kulinarik und schönen Dingen. Ihre Mission: Essen ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme.

Text: Herbert Eichinger
Fotos: Florentina Klampferer

Während ihrer fotografischen Ausbildung in Wien spürte die 28-jährige Florentina Klampferer ziemlich schnell,  dass sie sich angesichts des breiten Spektrums der Fotografie spezialisieren wolle. „Essen und kochen waren schon immer meine Leidenschaft. Bei uns in der Familie war und ist der Tisch in der Küche der Mittelpunkt unseres Lebens. Essen ist ein Ritual, erzählt viele Geschichten, schafft Gemeinsamkeit, Freundschaft und Freude. Daher war für mich bald klar: Ich will Essen fotografieren, aber auch das Styling der Gerichte und die Tischkultur haben mich fasziniert“, beschreibt Florentina ihre Anfänge. 

Gesagt, getan: Klampferer recherchierte im Netz, belegte unzählige Workshops und Online-Kurse, unternahm Reisen in kulinarische Hotspots, um sich weiterzubilden und Food,- Set,- und Prop-Styling zu verinnerlichen. „In den USA sind das drei verschiedene Berufe. Bei uns macht das oft eine Person“, so Florentina.

Rezeptentwicklung, Set- und Prop-Styling (Erstellen von Settings und Arrangieren der Gegenstände), Fotografie und Nachbearbeitung – kein Wunder, dass manche meinen, Food-Fotografie sei so etwas wie die Königsdisziplin: Wie wird das Setting erstellt, wie die Gegenstände auf der Tafel arrangiert, welche Backdrops passen, welches Geschirr, welches Besteck wird verwendet? In welchem Glas wird der Cocktail zubereitet, welche Blumen ergänzen die Optik?

Viele Fragen, die einer pedantischen Vorbereitung und strukturierter Planung bedürfen. Mindestens 2 Wochen vor dem Shooting wird jeder Schritt mit dem Kunden abgestimmt, um die benötigten Props, Backdrops usw. zu besorgen. Ein Moodboard (Szenenbild des Settings) wird erstellt, das Team wird gebrieft. Am Tag des Shootings bereiten der Set- und Prop-Stylist alles am Schauplatz vor – ab diesem Zeitpunkt darf nichts mehr bewegt werden. Nur der Artdirektor und der Fotograf dürfen dann noch Änderungen durchführen.

Food-Fotografin, -Stylistin und -Designerin Florentina Klampferer

Und zu guter Letzt dann der eigentliche fotografische Part. „Ich arbeite mit einer Nikon D850 mit verschiedenen Fixbrennweiten. Dazu verwende ich Lichtsysteme von Broncolor – das Licht ist in der Food-Fotografie megawichtig. Aufhellscheiben, Diffusor, Reflektoren, Spiegel, Stativ – alles wird genutzt, um die Lebensmittel optimal abzubilden. Food-Fotografie ist wirklich aufwendig“, erklärt Klampferer, die auch auf das Zeitfenster hinweist. „Eine Sachertorte zum Beispiel bleibt stundenlang gleich, aber bei Suppen oder Schaumsaucen wird es problematisch, da ist auch Schnelligkeit ein Thema.“

Gebucht werden Klampferer und ihr Team hauptsächlich von Magazinen, Lebensmittelkonzernen, Restaurants oder Werbeagenturen. Was isst eigentlich Florentina selbst am liebsten? Da bleibt sie sehr bodenständig: „Knacker mit Kartoffelpüree. Das ist Soulfood für mich. Das erinnert an die Kindheit, an die Gerüche, wenn man von der Schule nach Hause gekommen ist. An die Traditionen und Rezepte, die leider vergessen werden.“ Überhaupt werde, so Florentina, heute „leider immer weniger in den Familien gekocht.“

Was hat Florentina immer im Kühlscharank? „Butter und Schlagobers, das sind die besten. Geschmacksträger und ich weiß, dass Fett nicht fett macht“, lacht die sympathische Kärntnerin, der auch der wertschätzende Umgang mit Lebensmitteln ein großes Anliegen ist: „Ich hasse es, wenn Essen weggeworfen wird. Nach großen Shootings bringen wir die Gerichte immer ins Altersheim, um dort den Menschen eine Freude zu machen.“ 

Inspiration holt sich Florentina bei Reisen ins Ausland. „Ich mag die asiatische Küche, aber auch die USA. Den Österreicher Wolfgang Puck, der bei den Oscars kocht, schätze ich sehr.“

Und wie daheim in Velden, pflegt sie auch im Ausland ein Ritual: „Wir bestellen immer gemeinsam und stellen alles in die Mitte des Tisches. Da kann jeder probieren und es ist viel kommunikativer. Das Essen erzählt viel über ein Land, die Kultur und seine Menschen.“

Buch, mundvoll
von Florentina Klampferer

Florentina´s Bücher & Workshops:

MundVOLL: Mit Kartoffeln, Reis, Nudeln & Getreide rund um die Welt- eine kulinarische Reise voller Gerüche und Geschmäcker.

STORIES ON A PLATE: Besondere Momente gemeinsam genießen, sich Zeit nehmen und miteinander essen, mit der Familie oder mit Freunden. Unkonventionelle Rezepte, kreative Tipps und Specials, lebendige Fotografie.

BATILOO – AUF DIE TELLER, LÖFFEL, LOS!: Ein spielerisches Koch-Abenteuer für Kinder! BatiLoo, der kleine Flederhase, führt gemeinsam mit seinen drei Freunden, der kleinen Kängurumaus, Flintus dem Fuchs und Suppenwürfelchen, dem Maulwurf mit 12 1/2 Rezepten durchs ganze Jahr. Kein Kinderkochbuch im klassischen Sinne, sondern ein Buch über Leben, Freundschaft, Zusammenhalt und gemeinsame Zeit.

Workshops: Florentina, die auch als Bloggerin aktiv ist, bietet regelmäßig Workshops zu den Themen Food Photography und Food & Prop Styling in ihrem Studio in Velden am Wörther See an.

Alle Infos: www.storiesonaplate.com