“IM FOKUS” – MENSCHEN HINTER DER KAMERA, TEIL VII

Mit der neuen Serie „IM FOKUS“ holt die Landesinnung der Berufsfotografen OÖ die Sieger des Landespreises vor den Vorhang und präsentiert die Menschen hinter der Kamera.

In unserer digitalen Welt werden derzeit so viele Fotos geschossen wie es noch nie zuvor der Fall war. Daher ist es für uns BerufsfotografInnen umso wichtiger, zu demonstrieren, wodurch sich echte Qualitätsarbeit vom inflationären Konsumgut unterscheidet. Der schöpferische Augenblick und die Kreativität sind neben der Beherrschung der technischen Basics die entscheidenden Komponenten für ein außergewöhnliches Bild.

Außergewöhnlich sind auch die Werke, die im Rahmen des Landespreises der oberösterreichischen BerufsfotografInnen prämiert wurden. „Der Landespreis soll zu einem Sprungbrett für eine noch größere Wertschätzung der oberösterreichischen Berufsfotografen in Österreich und auch über die Grenzen hinaus werden. Daher werden wir weiterhin internationale Topfotografen zu Seminaren und Workshops nach Oberösterreich bringen, um die Kollegen zu motivieren und Ihnen die Möglichkeit zu bieten, von den Allerbesten lernen zu können“, bekräftigt Landesinnungsmeisterin Sabine Starmayr.

Die Landesinnung holt die Sieger der einzelnen Kategorien vor den Vorhang und präsentiert die Menschen hinter der Kamera.

Fotograf Georg Tiefenthaler

Mein ganz persönlicher Fragebogen

GEORG TIEFENTHALER
(Kategorie Nude)

Name: Georg Tiefenthaler.

Sternzeichen: Steinbock.

Wohnort: Tumeltsham bei Ried im Innkreis.

Wer ist dein Vorbild und warum? Mir gefallen die alten Meister wie Greg Gorman oder Peter Lindbergh mit ihren relativ einfachen, schlichten Porträts.

Meine Kamera: Canon 5D Mark III.

Warum ich am Landes-Award teilnehme: Ich will sehen, wie andere Menschen meine Arbeit einordnen und beurteilen. Wenn man da besteht, ist das die Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Wie wichtig ist, sich mit Kollegen zu messen? Entscheiden tut am Markt der Kunde – daher ist das für mich weniger wichtig. Aber ich will natürlichen wissen, ob ich von der Qualität her dabei bin. Da geht es um Selbstbestätigung.

Wie siehst du in der Fotografie die Geschäftsmodelle der Zukunft? Da befinde ich mich selbst ständig auf der Suche. Ich denke, dass man in Zukunft noch mehr zum Kunden gehen muss und nicht umgekehrt. Fixe Studios werden nicht mehr diese Bedeutung haben, Flexibilität und Mobilität werden wichtiger.

Spezialisierung oder Alleskönner? Es geht sicher in Richtung Spezialisierung, aber ich habe einige Themen, die ich nicht aufgeben will. Es bringt jedoch Vorteile, wenn man sich auf ein Segment fokussiert.

Wie wichtig ist für einen Fotografen die Ausbildung und ständige Weiterbildung? Megawichtig. Als Fotograf ist man nie fertig, man kann sich immer noch verbessern. Man kann gut und noch besser werden, aber nie perfekt. Dazu ändern sich auch die Zeiten, Stile und Geschmäcker zu schnell.

Was würdest du einem Berufs-Neueinsteiger empfehlen? Viel Engagement, Leidenschaft und viel probieren. Und zuerst natürlich eine solide Ausbildung. Niemand kommt als Profi auf die Welt.

Wie bist du zur Fotografie gekommen? Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für die Fotografie, aber so richtig Feuer gefangen habe im bei einer siebenmonatigen Weltreise. Da hatte ich permanent die Kamera in der Hand und nach der Rückkehr habe ich mich zu einer Ausbildung entschlossen.

Welche Trends siehst du in der Fotografie? Es gibt nicht nur in der Fotografie einen Retrotrend. Matte Bilder, Fotos, die wie Gemälde aussehen, auch die analoge Fotografie kehrt wieder verstärkt zurück. Für private Zwecke oder freie Arbeiten finde ich das toll, aber die Kunden werden damit weniger Freude haben.

Wie wichtig ist der Austausch mit Kollegen und die Gemeinschaft in der Wirtschaftskammer? Es ist wichtig, gewisse Themen auch aus der Sicht von Kollegen zu betrachten und sich auszutauschen. Ebenso die Erörterung des Marktes oder rechtliche Dinge wie die DSGVO.

Wie beurteilst du die Angebote der Innung und welche Serviceleistungen wie Seminare, Workshops nutzt du? Ich nehme gerne an Events oder Workshops teil, allerdings ist meine Zeit begrenzt. Oft nehme ich mir vor, zu einem Innungstermin zu fahren und dann schaffe ich es aus Zeitgründen leider nicht.

Drei Dinge, die ich auf eine einsame Insel mitnehme: Meine Frau, ein Messer und irgendetwas anderes, dass mir beim Überleben hilft.

Was mich ärgert: Unehrlichkeit.

Meistrespektierte Persönlichkeit: Meine Eltern und meine Frau.

Wen ich gerne fotografieren würde: Ich will da keine Namen nennen. Mich beeindrucken interessante Menschen mit Ausstrahlung und Charakter. Diese Eigenschaften aufs Foto zu bringen, ist die Herausforderung.

Schwarz-weiß oder Farbe? Beides.

Ist für dich das Glas halb leer oder halb voll? Derzeit halbvoll.

Mein Siegerbild – wie war der kreative Prozess, die Themenfindung, die Entstehung? Ich wollte keinen klassischen Akt machen, sondern auf das Wesentliche reduzierte Fotos von einer ungewöhnlichen Pose. Kein Schnick-Schnack. Dabei habe ich mich lange mit dem Licht gespielt, bis ich zufrieden war. Als ich das Bild gesehen habe, hat es mir sofort gefallen – obwohl ich sonst sehr selbstkritisch bin.

Wie wichtig sind freie Arbeiten abseits des täglichen Business? Extrem wichtig. Freie Arbeiten sind meine größte Lernplattform. Da muss ich auf niemand Rücksicht nehmen, kann experimentieren.

Meine persönlichen Ziele: Ich möchte in meinen Bereichen als Spezialist gesehen werden.

Mein ganz großer Traum: Den habe ich mir mit einer Weltreise eigentlich schon erfüllt. Und ich würde sofort wieder los starten. Sonst möchte ich nur gesund alt werden.  

Folgst du eher deinem Kopf oder deinem Gefühl? Ich bin ein Bauchmensch – das hat Vor- und Nachteile.

Was liebst du an deinem Beruf? Die Kreativität.

Das perfekte Bild ist….man strebt danach, aber umsonst.

Was willst du in 10 Jahren erreicht haben? Ich will als ausgewiesener Spezialist für meine Themen gelten und von den Kunden auch als solcher wahrgenommen werden.

Siegerbild Landespreis OÖ, Kategorie Nude, Georg Tiefenthaler