DIE TALENTESCHMIEDE

die Grafische , Fotocredit by Clemens Kneringer

Seit der Gründung im Jahr 1888 ist die Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien zu einer legendären Institution bei der Ausbildung in visueller Kommunikation und Medientechnik avanciert.

Der legendäre Ruf der „Graphischen“  beruht nicht zuletzt auch auf der Strahlkraft zahlreicher berühmter AbsolventInnen: Universalkünstler Gottfried Helnwein, Regisseur Niki List, Foto-Pionier Ernst Haas, Karikaturist Manfred Deix, Maler und Aktionist Hermann Nitsch, Circus-Roncalli-Gründer Bernhard Paul, oder als aktuelle Beispiele die Fotografinnen Rafaela Pröll und Stefanie Moshammer drückten in der Leyserstrasse 6 im 14. Wiener Gemeindebezirk die Schulbank.

Die SchülerInnen der Graphischen können unter vier Fachgebieten für ihre Berufsausbildung wählen:

  • Druck- und Medientechnik
  • Fotografie
  • Grafik- und Kommunikationsdesign
  • Multimedia

In den Höheren Lehranstalten erreichen die SchülerInnen die Matura und werden auf einen Beruf in der Medien- und Kommunikationsbranche vorbereitet, in den Kollegs werden Studierende für diese Zweige ausgebildet.

„Unser positives Image liegt in der außergewöhnlichen Motivation unserer Studierenden und Lehrenden“, ist Andrea Rotter überzeugt, die unter Schulleiter Peter Bauer als Abteilungsvorständin für Fotografie und Multimedia verantwortlich ist. Um an die Graphische zu gelangen, ist ein Aufnahmeverfahren notwendig, das aus einem schriftlichen Eignungstest plus vorgegebenen und freien Arbeiten und einer Präsentation vor einem Professorenteam besteht. „Wir suchen junge Menschen mit künstlerischer Begabung, aber auch mit der nötigen Einstellung für die oft sehr fordernde Fotografie- und Medienbranche“, so Rotter. Je 36 SchülerInnen werden pro Jahr für die beiden Ausbildungsformen an der Höheren Lehranstalt für Fotografie und audiovisuelle Medien bzw. im Kolleg aufgenommen – rund 350 Bewerbungen gibt es jährlich.

Grundsätzlich stammen die Studierenden aus ganz Österreich oder auch aus dem EU-Ausland, die Hälfte davon aus Wien. „Unsere Branche ist zwar heiß umkämpft, dennoch haben unsere Absolventen wirklich gute Chancen in diesem Markt. Sie beherrschen die Technik, sammeln mit praxisorientierten Projektarbeiten viel Erfahrung und es wird vor allem das Auge geschult“, erzählt Rotter. Viele AbsolventInnen würden sich selbstständig machen, einige arbeiten im Bereich der Pressefotografie,  oder versuchen sich in der künstlerischen Fotografie oder in Agenturen einen Namen zu machen.

Nicht nur die rasche Einsatzfähigkeit in der Wirtschaft ist das Ausbildungsziel, sondern vor allem fundiert ausgebildete PraktikerInnen, die aktuelle Technologien beherrschen und bereit sind, die spezifischen Anforderungen ihres Arbeitsplatzes schnell zu erlernen.

Auch wichtige Werte sollen an der Graphischen vermittelt werden: Ethik, Demokratie, Solidarität, Toleranz und Gedankenfreiheit.

Wie bei ziemlich allen Ausbildungsstätten in Österreich sind auch in der Graphischen die finanziellen Ressourcen knapp: „Wir würden uns natürlich ein höheres Budget wünschen. Das Equipment muss immer am Puls der Zeit sein und das ist teuer. Optimal wäre auch ein 3. Ausbildungsjahr in einer Art Meisterschule und mit einem akademischen Grad als Abschluss“, verrät Rotter, deren Arbeitsplatz längst aus allen Nähten platzt. „Die Graphische wurde vor 130 Jahren für 500 Schüler gebaut – derzeit bilden wir in allen 4 Abteilungen und dem Abendkolleg fast 1300 aus.“  

Inhalte der Ausbildung:

Fotografie

Hier werden nach einer Grundausbildung in den Fotoateliers die verschiedenen fotografischen Genres wie Architektur, Beauty, Fashion, Food, Portrait, Reportage und Stilllife unterrichtet. Diese werden um moderne Techniken wie HDR, Panorama und Time Lapse ergänzt. Der Schwerpunkt liegt natürlich in der Beherrschung eines digitalen Workflows. Zusätzlich wird auch noch ein Einblick in die analoge SW-Technik vermittelt.

Audiovision

widmet sich der Herstellung von tonunterlegten Überblendprojektionen auf Basis fotografischer Bilder.

Audio

Im Tonstudio erlernt man den Einstieg in die Welt des Tones und wendet diese Kenntnisse bei eigenen Produktionen an.

Video

Im Videoatelier erlernt man den Einstieg in die Welt des bewegten Bildes und wendet diese bei eigenen Produktionen an.

Medientechnik und angewandte Informatik

Ob Adobe CC (Photoshop, Indesign, Illustrator, Acrobat) oder professionelle Bildbearbeitung man erlernt praxisbezogen alle notwendigen technischen Skills für den Beruf. All das in Laptopklassen, die mit Internet am Arbeitsplatz ausgestattet sind.

Mediengestaltung

Ausgehend von den Grundlagen der visuellen Wahrnehmung werden sukzessive die relevanten Kenntnisse für die Gestaltung eines fotografischen Bildes vermittelt.

Medientheorie und Kunstgeschichte

Aufbauend auf fundierte Kenntnisse in der Kunstgeschichte werden die medientheoretischen Aspekte fotografischer Bilder beleuchtet.

Wirtschaft und Recht

Hier werden AbsolventInnen auf die rechtlichen und ökonomischen Aspekte der Selbstständigkeit vorbereitet, darauf, in einer Agentur oder projektbezogen zu arbeiten.

Alle Infos: www.graphische.net

Text: Redaktion