Sabine Starmayr: „Jeder muss seinen eigenen Stil finden“


Starmayr the fine art of Photography

OÖ-Landesinnungsmeisterin Sabine Starmayr über ihre Rolle als Chorleiterin, Aufbruchsstimmung im Kollegenkreis, eine Zeitreise in die Vergangenheit und die Wichtigkeit freier Projekte. 

AAP: Vor etwas mehr als einem Jahr haben Sie als erste Frau in Oberösterreich das Amt der Landesinnungsmeisterin angetreten. Wie sieht Ihre bisherige Bilanz aus?

Sabine Starmayr: Ich habe für mich und mein Team zu Beginn eine Vision entwickelt, wie die Zusammenarbeit der Innung mit den KollegInnen in Zukunft sein soll. Vieles davon konnte bereits umgesetzt werden. Mir war und ist es besonders wichtig, die Basis zu erreichen. Ich will die Mitglieder zum Mitmachen motivieren, dass sie die breit gestreuten Angebote der Wirtschaftskammer annehmen und nutzen – das passiert nämlich noch viel zu selten. Bei meinen Let´s-Talk-Runden in verschiedenen Städten und Gemeinden orte ich jedoch eine sehr positive Aufbruchsstimmung. Die Mitglieder haben das Gefühl, das Engagement der WKO und der Innung zu spüren. Das ist kein anonymer Apparat, sondern da sind Menschen, die sich um ihre Anliegen bemühen und sie unterstützen.

Service is your success?

Ich vergleiche es gerne mit einem Riesenchor. Jeder hat eine gute Stimme, aber jeder will auch Solokünstler sein. Um ein harmonisches Ensemble zustande zu bringen, benötigt es auch einen Chorleiter, der die Ideen zusammenführt und umsetzt. Das ist nicht immer bequem und gemütlich, aber notwendig. Grundsätzlich sollte die Harmonie so sein, dass wir alle gemeinsam die Wertigkeit des Fotografengewerbes steigern können. Dazu gehört auch die bewusste Entscheidung der KollegInnen, mitzumachen und sich zu engagieren. Alleine geht´s nicht. Ich will noch mehr das Bewusstsein der Mitglieder wecken, welche Leistungen der WKO sie für ihre Beiträge abrufen können.

Wie sehen Ihre Pläne für die nahe Zukunft aus?

Ich will die Let´s-Talk-Runden weiter ausbauen, weil wir merken, wie wichtig es ist, sich ständig mit den KollegInnen auszutauschen, auf ihre Sorgen und Ideen einzugehen und ihnen praktikable Lösungen anzubieten. Weiters wird auch 2018 wieder ein internationaler Topfotograf zu Gast sein, der uns Einblicke in seine Arbeit gibt und auch als Mutmacher fungieren soll. In kleinerem Rahmen sind Workshops, Seminare und Branchentreffs geplant. Ich möchte ein neues Denken zur Diskussion stellen: Wir müssen uns mehr mit Fotokunst auseinandersetzen und unsere Arbeit intensiv reflektieren.

Starmayr the fine art of Photography

Was heißt das konkret?

Mit schwebt eine Art Zeitreise in die Vergangenheit der Fotografie vor. Wir müssen unseren Bildern wieder mehr Wertigkeit geben und dürfen uns nicht nur vom digitalen Zeitalter hetzen lassen. Marketing und Positionierung der einzelnen Fotografen müssen ausgebaut werden – es geht nicht nur um Licht, welche Filter oder Bearbeitungstechniken, sondern um die Marke Ich. Jeder muss seinen eigenen Stil, die eigene Stimme finden. Nicht um noch höher, weiter oder besser zu springen, sondern um ein ausgeglichenes und zufriedenes Unternehmerleben führen zu können. Wer weiß, wo seine Stärken liegen, kann sich in aller Ruhe und Klarheit auf ein Thema fokussieren. Ziel muss eine massive Steigerung der Qualität sein, um sich noch deutlicher abzuheben.

Sie arbeiten seit kurzem auch in einem WKOOE-Gremium für Ein-Personen-Unternehmen.   

Achtzig Prozent aller Fotografen sind EPU´s, daher möchte ich mich auch da engagieren. Wir wollen in die Richtung gehen, dass diese Unternehmer entlastet werden und auch als EPU ökonomisches, gesundes Wachstum möglich ist. Sei es durch Outsourcing von zeitintensiven Arbeitsschritten oder durch eine effiziente Nutzung von Synergien.

Sie gelten als leidenschaftliche Verfechterin von freien Projekten, die neben der täglichen Routine über die Bühne gehen sollen. Ist das in unserer schnelllebigen Zeit noch möglich?

Absolut. Jeder Fotograf muss sich immer wieder selbst herausfordern und sollte drei, vier freie Projekte im Jahr konzentriert und intensiv abwickeln. Und an Wettbewerben teilnehmen. Selbstsicherheit und Selbstvertrauen bekommt man nicht, wenn man untätig bleibt, sondern indem man sich Aufgaben stellt.

Mit dem Event in Bad Leonfelden ist die Ausstellung Menschenbilder OÖ für das Jahr 2018 beendet worden. Wie lautet Ihr Resümee?

Die Ausstellungen der oberösterreichischen KollegInnen waren höchst erfolgreich und sind von der Öffentlichkeit mit großem Interesse angenommen worden. Das Feedback der Menschen in den Städten und Gemeinden war sehr positiv und wir dürfen uns freuen, dass Veranstaltungsorte wie Linz, Bad Leonfelden und Bad Hall auch für 2019 bereits wieder zugesagt haben. Österreichweit ziehen immer mehr Gemeinden mit und es hat sich eine tolle Dynamik entwickelt. Die Faszination, großformatige Bilder im freien Raum betrachten zu können, berührt die Besucher und wirkt ansteckend.

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