Tommy Seiter: Die ewige Suche nach dem perfekten Moment


Der Innsbrucker Hochzeitsfotograf Tommy Seiter über Humor Marke Monty Python, warum Spezialisierung heute essenziell ist und für ihn Emotionen wichtiger als Technik sind.

Er sei, sagt der Tiroler mit dem ansteckenden Lachen, „immer auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen“ in seinen Fotos. Ganz besonders war auch das Motiv des Bildes, das Tommy Seiter für die Ausstellung „Menschenbilder Tirol“ einreichte: Ein Mann im besten Alter, schütteres Haar, bekleidet mit einem Ruderleiberl, unter dem sich ein beachtlicher Bauch wölbt. Kurz gesagt: Ein Model, das nicht gerade unserem üblichen Schönheitsideal entspricht. Was ja noch nicht so außergewöhnlich wäre – aber der Mann ist im Begriff einen Fisch zu verschlucken, die Schwanzflosse ragt gerade noch aus dem Mund heraus.

„Ich mag den Film ‚Ein Fisch namens Wanda‘ von Monty Python, das war vielleicht im Hinterkopf meine Inspiration zu diesem Bild – aber nicht geplant.  Auf jeden Fall ist dieses Foto ein Eyecatcher, auf den mich viele angesprochen haben“, verrät Seiter, der sich weit über die Grenzen Tirols einen großen Namen als Hochzeitsfotograf gemacht hat. „Ich habe vor vielen Jahren viele künstlerische Projekte fotografiert, bin aber dann drauf gekommen, dass Spezialisierung ganz, ganz wichtig ist. Du musst in einer Sparte so gut als möglich werden, um auch kommerziell erfolgreich zu sein. Nur, wenn du deine ganze Liebe und Leidenschaft hineinsteckst, bringst du es auf einem Gebiet zur Meisterschaft.“

Dass Tommy ganz viel von diesen Eigenschaften investiert, sieht man bei seinen Bildern sofort: Ungewöhnliche Hochzeitsfotos, mit tiefen Emotionen, überraschen, schrägen Accessoires, die auch von den Kunden eine gehörige Portion Selbstironie abverlangen. „Ich nenne das Crazy Hochzeitfotos und biete meinen Kunden an, etwas Besonderes und Unkonventionelles zu machen. Ich stülpe ihnen das aber nicht über, sondern es kommt von ihnen viel Input und ich bin dankbar für die Anregungen“, so Seiter, auf dessen Bildern schon auch mal Handschellen oder eine Braut, die einen Frosch küsst, auftauchen.

„Wichtig“, sagt Seiter, „sind für mich die Emotionen, die meine Bilder hervorrufen. Auch wenn man es nicht so gerne hört: Nicht die Technik ist für ein perfektes Foto entscheidend, sondern die Gefühle, die es beim Betrachter hervorruft. Egal, ob positiv oder vielleicht auch betroffen. Und wenn du deinen Beruf mit Leidenschaft machst, dann entwickelst du dich auch weiter. Ich bin ständig auf der Suche nach dem perfekten Foto – das ist mein Antrieb.“

Seiter, der seit 25 Jahren Berufsfotograf ist, hat seinen persönlichen Stil längst gefunden: „Ich weiß heute, wo mein Talent liegt. Aber ich bewundere auch Kollegen, die zum Beispiel viel im Studio fotografieren. Mir ist das fast zu steril, ich bin nie zufrieden mit dem Licht oder dem Modell. Daher mache ich das, was ich am besten kann. Ziel muss es immer sein, auf deinem Gebiet der Beste zu werden – auch wenn das eine ewige Anstrengung bedeutet.“

Der humorvolle Tiroler, der über schräge Filme aus dem Portfolio von Monty Python („Da wird der Gesellschaft mit Intelligenz ein Spiegel vorgehalten“) lachen kann, hat aber auch ein Faible für ungewöhnliche Reisefotografie: Gemeinsam mit einer Freundin bereiste Seiter Bhutan und Nepal, was ja noch nicht ungewöhnlich wäre. Aber die Frau war als Clown verkleidet und trat dort als „Travelling Trude“ mit ihrer Kostümierung an verschiedenen Schauplätzen auf, während sie Tommy fotografierte. „Die Reaktionen der dortigen Menschen waren aufregend und durchwegs positiv.“