Toca me 2017 – Rückblick auf die Design Conference 2017 in der alten Kongresshalle in München


Dominic Wilcox eröffnet die Toca Design Conference 2017, die unter dem Motto „Dream Big“ mit seinem persönlichen Zugang zu Design des „Everyday Objects with a twist“ stand. Hier wird auch die klare Buchempfehlung des Tages ausgesprochen: Tassenventilator und andere absolut verrücke Weltverbesserungen. Eine Klolektüre, die den Kreativen sogar noch hier Hirnfutter versorgt.

Einen guten Einblick in Welcox’ Arbeit gibt die Vimeodocu: „The Reinvention of normal“:
https://vimeo.com/122959827

Legendär sind auch die Watch Sculptures, die aus einem klassischen „Do one creative thing every day“ Projekt entstanden sind, in dem er wissen wollte, wie viel Gewicht Uhrzeiger aushalten und dies mit Plastilin herausfinden wollte.
https://vimeo.com/122959827

Kreativität verbindet für ihn bekannte Dinge in immer neuen Kombinationen.

All dies und noch viel mehr findet der geneigte Kreative hier: www.dominicwilcox.com

Nach dieser fulminanten Eröffnung betrat Keiichi Matsuda, www.km.cx, die altehrwürdige Bühne der Kongresshalle in München.

Der in England lebende Filmemacher und Designer präsentierte seine Arbeit und Herangehensweise zum Thema „Augmented Reality“ und hat diese anhand von 3 Filmen vorgestellt. Seine dystopische Version der virtuellen Realität, die tief in die Privatsphäre eindringt und das Leben bestimmt, erzeugt nicht nur Stirnrunzeln, sondern bestärkt das Bewusstsein, dass der Umgang mit den neuen Möglichkeiten der erweiterten Realität und der Datensammelwut von Facebook, Google und Co. ständig hinterfragt werden muss. https://vimeo.com/166807261

Einen starken Kontrapunkt setzte Mario Klingemann mit seinem Vortrag. Er stellt sich die Frage, ob Computer kreativ sein können. Sein Fazit „It will not go away, it will get more and more – deal with it“ zeigt erschreckend, dass Computer sehr wohl jetzt schon kreative Arbeit leisten können. Ein Beispiel, das von Klingemann weiter ausgearbeitet wurde, zeigt Google mit: https://artsexperiments.withgoogle.com/#/x_degrees

Hierbei wird von der Prämisse ausgegangen, dass alle Menschen über sechs Ecken miteinander verknüpft sind. Ich selbst bin also nach dieser Theorie über sechs Beziehungen mit dem indischen Autorickschafahrer bekannt, weil ich jemanden kenne, der jemanden kennt, der jemanden kennt…

Dieses Prinzip greift Google anhand von analysierten und durch die künstliche Intelligenz selbst erarbeitete Inhaltserkennung auf und setzt unterschiedliche Bilder über ähnliche Bilder miteinander in Beziehung.

Auf der Site von Klingemann http://mario-klingemann.tumblr.com sind viele der gezeigten Werke Ergebnisse der Künstlichen Intelligenz. Der Wettstreit zwischen computer-generierter Kunst und der des Menschen ist also längst entbrannt.

Bradley G Munkowitz aka GMUNK brachte indes Erfrischendes in seinem Vortrag, den er selbst „Therapy“ taufte, zum Vorschein. Er führte durch seine Werke und zeigte anschaulich seine unterschiedlichen Zugänge zum Thema Mediengestaltung. Die zahlreichen kommerziellen Projekte, wie z.B. die Erstellung des neuen Windows 10 Logos und diverse Audispots, wurden abwechslungsreich mit kreativen nicht kommerziellen Projekten unterhaltungsvoll präsentiert. Seine wirklich inspirierende Arbeit, die großteils analog entstand, sowie ein wenig Crazyness des Californiers ist auf http://www.gmunk.com zu finden. Dieser Artist und seine inspirierende Arbeit ist wirklich einen oder mehrere Klicks auf seiner Website wert.

Ein Designcongress ohne Typographen wäre nur eine halbe Sache. Seb Lester, der als Kalligraph und Designer arbeitet, macht hingegen nur ganze Sachen, von denen man sich auf http://www.seblester.com überzeugen lassen kann. Er selbst bezeichnet Kalligraphie als Musik für das Auge – und genau das sieht man an seiner Arbeit. Ein schönes Videoportrait dazu findet sich hier: http://www.pbs.org/video/2365564449/

Das beste Mail, das er nach eigenen Angaben je bekommen hat, ist die Einladung der NASA, ein Missionslogo zu erstellen. Detailliert zeigte er die Entwürfe und Arbeitsschritte zum Logodesign und erläuterte dabei seine Arbeitsweise mit dem berühmten Kunden aus den USA.

Den Schlusspunkt setzte der New Yorker Joshua Davis http://www.joshuadavis.com, der sich selbst als artist in new media versteht. In seiner Rückschau erläuterte er die Geschichte, wie er, 2 Wochen bevor Steve Jobs Flash für Tod erklärte, das Unternehmen verließ und sich dem Programmieren von Visuals mit Java hingab. Seine doch nicht ganz unstressigen Visualisierungen sind seit 2 Jahren bei den offiziellen Superbowlpartys zu sehen und damit sehr prominent besetzt. Seine unkonventionelle Arbeitsweise und ausgeflippte Vortragsart inspirierte noch die ganze Heimfahrt Samstagnacht durch das Mittelgebirge zurück nach Innsbruck.

Alles in allem war die diesjährige toca me ein bereichernder Streifzug durch die Medienlandschaft, den sich kaum ein Kreativer wirklich entgehen lassen kann. Umso mehr Freude macht es mir persönlich, dass ich diese Einblicke hier mit der geneigten Leserschaft teilen darf.